Wissenschaftssommer – Finale und 2. Platz

Am 4. Tag des Wissenschaftssommers konnten die Besucher bis 19 Uhr für ihren Favoriten abstimmen. Danach stieg die Spannung und um 20 Uhr wurde auf der Bühne am Lübecker Marktplatz nach Kurzpräsentationen der drei Finalisten der Sieger des Publikumspreises “Wissenschaft Interaktiv 2012” bekannt gegeben. Leider hat das Dreieck der Nachhaltigkeit nur den zweiten Platz erreicht, konnte also nicht genügend Besucher überzeugen. Trotzdem sind wir dem Erreichen des Finales, den 8.000€ Preisgeld zum Bau des Exponats und dem Ergebnis sehr zufrieden. Vor allem die Zustimmung und das sehr positive Feedback der Besucher an unserem Stand wirken dazu bei. Was wir aus Lübeck mitnehmen:

  • 8 Urkunden und Niederegger Mazipan
  • ca. 50 Usability-Fragebögen zur Gestensteuerung
  • eine Einladung zur Klimawoche in Hamburg (t.b.c.)
  • Ideen für die Weiterentwicklung des Exponats
  • viel Erfahrung darin, in kürzester Zeit ein öffentlichkeitswirksames Gerät mit sehr beschränkten Mitteln zu bauen, zu programmieren und auszustellen

Fotos des Finaltages folgen an dieser Stelle.

Wissenschaftssommer – Tag 3

Am dritten Tag haben wir uns am meisten über den Besuch aus Münster gefreut: die Rektorin der WWU, Prof. Dr. Ursula Nelles und der Oberbürgermeister der Stadt Münster, Dr. Markus Lewe waren da!

Aber natürlich war sonst auch viel los. An diesem Montag kamen viele Schulklassen und weitere Besucher, die sich sowohl über die Interaktion als auch über die Daten zur Regenwaldabholzung informiert haben.

Setup und erste Tests

Nach dem gesamten Aufbau und Setup in den letzten 7 Tagen im 6. Stock des Instituts für Geoinformatik haben wir gestern endlich das Dreieck ausgiebig getestet. Da ging es vor allem um die Nutzbarkeit (Usability) des User Interfaces und der Gesten. Alles in allem war es ein sehr erfolgreicher Test, wir konnten noch einige Feinjustierungen am Interface vornehmen und haben Erfahrungen mit unterschiedlichen Verhalten der Kinect abhängig von der Körpergröße des Nutzers gesammelt. Wir möchten uns hiermit bei den ca. 30 ifgi-Mitarbeitern bedanken. Hier ein paar Impressionen vom Aufbau und vom Test in Videos und Fotos:

[youtube]http://www.youtube.com/watch?v=186-Qi5WsLs[/youtube]

[youtube]http://www.youtube.com/watch?v=JE8j1agzR-4&feature=relmfu[/youtube]

 

Vom Mensch zur Maschine

Lange Zeit waren Maus und Tastatur die wichtigsten Mittel, um mit Computern zu interagieren. Mittlerweile sind Multi-Touch-Bedienung und Bewegungssensoren wie der „Kinect-Tiefensensor“ auf dem Vormarsch. Bei dieser aus Spielkonsolen bekannten Steuerungsmethode filmen mehrere Kameras ein dreidimensionales Bild der Umgebung – also den Menschen, der den Computer steuert. Natürlich reicht das Bild alleine nicht aus, um dem Rechner zu sagen, was er tun soll. Eine Bildverarbeitungssoftware ist nötig, um bestimmte Strukturen wie Hände und Arme sowie deren Bewegungen zu erkennen. Die Bewegungen sind mit bestimmten Befehlen verknüpft – so kann der Rechner „erkennen“, was der Mensch ihm mit einer Handbewegung sagen will.

Mit einem Wink in die Vergangenheit

Im Bereich der Interaktion zwischen Mensch und Computer haben neue technische Entwicklungen auch neue Forschungsfragen eröffnet. Geoinformatiker befassen sich mit der Frage, wie intuitive Gesten zur Steuerung räumlicher und zeitlicher Datensätze aussehen und wie sie programmiert werden können. Beim „Dreieck der Nachhaltigkeit“ geht es um die Interaktion mit einer Karte. Der Besucher kann durch Gesten und Handbewegungen den Maßstab verändern, also hinaus- und hineinzoomen. Zudem kann er auf der Karte navigieren und „Zeitsprünge“ machen, also historische Daten aus verschiedenen Jahren ansehen. Um passende und einfache Gesten zu finden, befragen Forscher viele Testnutzer, die Vorschläge abgeben können. Das „Dreieck der Nachhaltigkeit“ berücksichtigt die Ergebnisse solcher Nutzerbefragungen.

Das „Dreieck der Nachhaltigkeit“

Die Ursachen der Abholzung des Amazonas-Regenwaldes sind vielfältig. Um sie zu verstehen, müssen Wissenschaftler viele verschiedene Aspekte untersuchen, zum Beispiel, wer die Bäume fällt und wofür die gerodeten Flächen genutzt werden. Hier kommt das „Dreieck der Nachhaltigkeit“ ins Spiel. Es beruht auf einem Modell, nach dem nachhaltige Entwicklung nur zustande kommen kann, wenn ökologische, ökonomische und soziale Aspekte gleichzeitig und gleichberechtigt berücksichtigt werden. Nach diesem Konzept ist das Exponat der Geoinformatiker aus Münster benannt.

Informationen für jedermann 

Wie schnell schreitet die Abholzung voran? Wie groß sind die gerodeten Flächen? Um diese Fragen zu beantworten, müssen riesige Mengen an Daten gesammelt und ausgewertet werden. Auch das interaktive Regenwald-Dreieck nutzt einen sehr großen Datensatz, um zu zeigen, wieso der Regenwald abgeholzt wird und was die Menschen in Europa damit zu tun haben. Die Daten sind nach dem “Linked Open Data“-Konzept (LOD) über das Internet frei zugänglich. Nach diesem Prinzip kann jeder Wissenschaftler und jeder andere Interessierte weltweit die Daten nutzen, zum Beispiel für Statistiken, Auswertungen und Karten. Durch die Verknüpfung verschiedener Datensätze werden Zusammenhänge verständlich.

Freie Daten zu Ökologie, Ökonomie und sozialen Aspekten 

Die im Exponat dargestellten Daten sind „LOD-Daten“ zu ökologischen, ökonomischen und sozialen Aspekten der Regenwald-Abholzung. Sie wurden vom Nationalen Institut für Weltraumforschung in Brasilien, dem Brasilianischen Institut für Geographie und Statistik und weiteren öffentlichen Institutionen zur Verfügung gestellt. Der Besucher kann am „Dreieck der Nachhaltigkeit“ rund 60 Millionen frei verfügbare Datensätze zur Abholzung des Amazonas-Regenwaldes und anderen Faktoren betrachten. Dabei wird der brasilianische Bundesstaat Pará hervorgehoben. Er steht exemplarisch für die Entwicklung der Abholzung und deckt viele Einflussfaktoren ab: Bevölkerungswachstum, Urbanisierung, Anbau von Soja, Rinderzucht und Export. Diese Datensätze sind in ihrer Qualität und Größe und Verknüpfbarkeit einzigartig.

Forschungsfeld Amazonas-Regenwald

Rinderzucht und Getreideanbau bedrohen die „grüne Lunge“ der Erde

Die Abholzung des Regenwaldes im brasilianischen Amazonas-Gebiet schreitet rasant voran. Die gerodeten Flächen werden vor allem für die Rinderzucht und den Anbau von Soja genutzt. Der Kahlschlag bedroht nicht nur die Tier- und Pflanzenwelt in Brasilien.   Wissenschaftler befürchten, dass die Zerstörung des Regenwaldes große Dürren auslösen könnte. Sie warnen auch vor dramatischen Folgen für das weltweite Klima, wenn die „grüne Lunge der Erde“ weiterhin so rasant schrumpft.

Intakter, schützenswerter Regenwald im brasilianischen Amazonas (Manaus)

"© guentermanaus - Fotolia.com"

Ein „Auge“ im All

Die Abholzung eröffnet ein riesiges Forschungsfeld. Um die Rodung des Regenwaldes aufhalten zu können, müssen Wissenschaftler sie zunächst beobachten und dokumentieren.   Satelliten überwachen das Amazonas-Gebiet, das etwa ein Drittel des gesamten südamerikanischen Kontinents bedeckt, aus dem All. Forscher aus aller Welt verarbeiten die dabei entstehenden Daten mithilfe von Computern und machen sie sichtbar. Aufgabe der Geoinformatiker ist es, den Computern „beizubringen“, die abgeholzten Flächen ausfindig zu machen und die Veränderungen innerhalb der Waldgebiete in einem bestimmten Zeitraum zu erkennen. Nur so ist es möglich, riesige Flächen über einen langen Zeitraum genau zu überwachen.

Wissenschaftler bändigen Datenflut

Die Forscher berechnen die Veränderungen im Regenwald und bringen sie mit anderen Faktoren wie zum Beispiel Getreideanbau oder Städtewachstum in Zusammenhang. So können sie Ursachen und Folgen der Abholzung genau verfolgen. Die Kombination einzelner Datensätze ermöglicht die Entwicklung von Vorhersage-Modellen. Sie hilft bei der Analyse der komplexen Problematik und kann so Wege aufzeigen, die voranschreitende Abholzung aufzuhalten. Dabei haben die Wissenschaftler bereits Erfolge erzielt: Auf Grundlage der Daten der Geoinformatiker ging Brasiliens Präsident Luiz Inácio Lula da Silva bei der Kopenhagener Weltklimakonferenz 2009 die Verpflichtung ein, die Abholzung in Brasilien bis 2015 um 80 Prozent zu verringern.